Lebhafte Diskussion zum Thema "Die Weltordnung wird neu gemischt – Wo bleibt der Frieden?“ in Duderstadt

Eine Veranstaltung mit dem Titel „Die Weltordnung wird neu gemischt – Wo bleibt der Frieden?“ gab es am Mittwochabend im Zentrum für Kirchenentwicklung in Duderstadt. Hintergrund der Veranstaltung war die im Herbst erschienene Denkschrift „Welt in Unordnung – gerechter Friede im Blick. Evangelische Friedensethik angesichts neuer „Herausforderungen".

Die Leitgedanken der Denkschrift stellte Dr. Guntram Czauderna den mehr als 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor. Mit ihm diskutierten Pastorin Christina Abel und der Göttinger Diakon Prof. Heinrich Detering die verschiedenen Punkte der Denkschrift. Nach Angaben Czaudernas möchte die Denkschrift ein Bewusstsein für die weltweit verletzte Solidarität schaffen. Denn ein Krieg ende nicht mit dem Friedensvertrag. Auch in der Vergangenheit hätten kirchliche Schriften Frieden als zentrales Thema gehabt. „In der aktuellen Schrift ist der Verzicht auf Gewalt ein wichtiger Bestandteil“, berichtete Dr. Guntram Czauderna. Dabei sei vor allem auch ein Augenmerk auf die neuen Herausforderungen, wie den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, den Terror der Hamas und die hybride Kriegsführung, gelegt worden. In der Denkschrift wird der Begriff „Gerechter Friede“ verwendet. „Damit ist der Schutz vor Gewalt, die Förderung von Freiheit, der Abbau der Ungleichheit und der friedensfördernde Umgang mit Pluralität gemeint“, sagte Czauderna. Gewalt solle nach den Aussagen in der Denkschrift nur als rechtserhaltende Gewalt und sehr begrenzt eingesetzt werden.

Um den in der Denkschrift verwendeten Begriff der Schuld gab es zugleich eine erste Diskussion. Hierbei stand die Frage im Raum, ob man von Schuld oder von einem Dilemma sprechen sollte. Denn so steht es in der aktuellen Veröffentlichung: Der Mensch könne durch eigenes Handeln nicht dem Verhängnis von Schuldverstrickung entkommen. Für Pastorin Christina Abel enthält die Veröffentlichung viel Rechtfertigung für die momentane Situation in der Welt. „Mir nimmt die Denkschrift ein bisschen den Mut. Denn eigentlich soll alles Menschenmögliche dafür getan werden, dass es Frieden gibt. Doch die Schrift sagt, dass wir das gar nicht erreichen können“, sagte Abel. Für sie bleibe zudem die Frage unbeantwortet, wer darüber entscheide, wann Gewalt erlaubt sei. „Ich finde, man bleibt nach der Lektüre der Denkschrift ratlos zurück“, so Abel. Prof. Heinrich Detering hatte sich fünf Punkte aus der Veröffentlichung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland herausgesucht.   Zunächst einmal zeigte er auf, dass ihm der Begriff „rechtserhaltende Gewalt“ gefalle. „Zweitens hat die Vorbereitung auf den Krieg die Tendenz, dass der Krieg sich selbstständig macht. Des Weiteren sei Verteidigung nicht nur militärisch, sondern beginne im Kopf und im Gespräch miteinander. Gespräch bedeute hierbei auch, auf Sprache zu achten. „Sprache hat eine große Kraft“, sagte Prof. Heinrich Detering.

Im weiteren Verlauf des von Dekanatsreferentin Sigrid Nolte moderierten Abends gab es eine lebhafte Diskussion zum Thema Frieden. In der auch die Forderung von Papst Leo XIV., den Krieg im Iran zu beenden, besprochen wurde.

Vera Wölk, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit