Geistlicher Impuls zum Vierten Fastensonntag

Eine Perle zärtlicher Zwiesprache mit Jesus

Das Evangelium und andere Texte für den heutigen Tag finden Sie in der Online-Kalender-Version des Schott-Messbuches der Erzabtei in Beuron.

 

IMPULS

 

Wenn ich wählen könnte zwischen der Heilungsgeschichte eines Blindgeborenen im heutigen Evangelium und etwa der Heilung des blinden Bartimäus im zehnten Kapitel des Markusevangeliums, würde ich immer zu Letzterem greifen.

Da wird beschrieben, wie Bartimäus am Wegesrand nach Jesus Ausschau hält und gegen alle Widerstände zu ihm durchdringt. Sein Rufen „Jesus, Sohn Davids, erbarme Dich meiner!“ ist zu einem ständigen Gebet in der Ostkirche geworden.

In der heutigen Heilungsgeschichte im Johannesevangelium steht der Streit mit den Pharisäern im Vordergrund - und der Ruf in die Entscheidung: Liebe oder Lieblosigkeit? Wahrheit oder Lüge?

Jesus legt es im Johannesevangelium förmlich darauf an, seine Gegner – und auch mich als Leser – zu einer Entscheidung zu bringen.

Aber bei allem Provozieren und In-die-Entscheidung-Rufen, gibt es bei Johannes auch die schönsten Perlen zärtlicher Zwiesprache mit Jesus.

Mit einer solchen Perle endet bei Johannes die Geschichte einer Frau, die von den Gesetzesfanatikern des Ehebruchs bezichtigt wird und deshalb gesteinigt werden soll.

Mit solch einer Perle offenbart sich Jesus auch Maria Magdalena am Tag seiner Auferstehung. 

Und auch die heutige Geschichte von der Heilung eines Blinden endet mit einem wunderschönen Zwiegespräch mit Jesus:

Als Jesu ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube. Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.

Ja, die Zärtlichkeit Gottes ist zum Niederknien!

Ludger Joos SJ