Geistlicher Impuls zum Dienstag in der Karwoche

Das Leiden Christi kommt von innen ins Rollen ...

Das Evangelium und andere Texte für den heutigen Tag finden Sie in der Online-Kalender-Version des Schott-Messbuches der Erzabtei in Beuron. Das weltweite Gebetsnetzwerk des Papstes gibt sogar mehrmals täglich einen Gebetsimpulse zum gemeinsam online beten.

 

IMPULS

Das Leiden Christi kommt von innen ins Rollen und nicht von außen. Es endet vor Pontius Pilatus und auf der Schädelhöhe Golgota. Aber es beginnt im inneren Kreis, im Kreis der Jünger. Von da setzt es sich in Gang.

Und das hören wir heute im Evangelium. Jesus identifiziert beim letzten Mahl Judas als den, der ihn verrät und verkauft. Und Jesus lässt es geschehen. Ja, er schickt ihn fast los: „Was du tun willst, tue bald!“, sagt er zu ihm.

Und dem selbstgewissen Petrus sagt er voraus, dass er ihn dreimal verleugnen wird noch vor dem Hahnenschrei. Beide liefern ihn aus oder überliefern ihn.

Das lateinische Wort heißt „traditio“, bei uns bekannt als Tradition, als Überlieferung. Das Wort ist also mehrdeutig. Jesus weiß um diese Auslieferung und sagt sie voraus, weil er weiß, dass sein Leiden noch tiefer und innerlicher seinen Ursprung hat.

Und da kommen wir auf eine noch weitere Bedeutung dieses Wortes „traditio“ nämlich die Hingabe. Es ist nämlich letztlich Gott, der Vater, der seinen Sohn dahingibt. Und es ist Jesus, der Sohn, der sich dahingibt in diesem Prozess des Leidens.

Da ist also der innerste Ursprung. Da setzt sich dieser Prozess in Gang. Das sagt uns heute die Lesung. Sie erzählt vom Knecht Gottes, der scheitert, aber gerade dadurch von Gott zum ‚Licht für die Völker und zum Heil bis an das Ende der Erde‘ (Jes 49,6) wird.

Thomas Gertler SJ