Frischer Glanz für Hochaltar

Mehr als 500 Jahre alt ist der spätgotische Flügelaltar in der Basilika St. Cyriakus. Noch vor Ostern wurde er aufwendig restauriert.

Bei den Arbeiten musste Thomas Kräckel-Hansum größte Vorsicht walten lassen. „Zahlreiche Farbschollen hatten die Haftung auf dem Untergrund verloren und konnten bei der kleinsten Berührung herunterfallen“, erklärt der Restaurator aus Hildesheim. Mit einer Kollegin arbeitete er in einer eigenes unter dem Westturm der Basilika eingerichteten Werkstatt. „Wir mussten wirklich mit sehr viel Fingerspitzengefühl diese losen Farbschollen berühren und gleichzeitig mit Leim dahinter wieder auf das Objekt herunterbringen“, erklärt er die Arbeitsweise.

Auf Fotos hat Kräckel-Hansum den Zustand vor seiner Bearbeitung dokumentiert. Zahlreiche weiße Flecken zeigen, wie dringend nötig die Restaurierung war. Zwar wurde die Basilika 2016 umfangreich renoviert, aber „der sehr wertvolle gotische Hochaltar wurde damals bewusst zurückgestellt“, sagt Konservatorin Dr. Monika Tontsch, zuständig für die Kunstdenkmalpflege im Bistum Hildesheim.

Fachlich begleitet wurden die Arbeiten zudem von Kunsthistorikerin Sandra Kästner, die das Duderstädter Heimatmuseum gegenüber der Basilika leitet. Sie fand heraus, dass der Flügelaltar von zwei namentlichen nicht bekannten Schnitzern zwischen 1475 und 1490 gefertigt worden sein muss. Vielleicht deute ein eingemeißeltes „1481“ an der Altarplatte auf das Fertigstellungsjahr hin, sicher sei das aber nicht. Bisher war angenommen worden, der Altar stamme erst aus den Anfangsjahren des 16. Jahrhunderts.

„Das Besondere ist, dass der Altar sehr fein ausgearbeitet ist“, erklärt Kästner. Bei normaler, erhöhter Aufstellung sei das von unten und aus Entfernung betrachtet nicht sichtbar. „Der Altar ist sehr detailreich gestaltet“, urteilt sie. Die szenische Darstellung sei „teilweise sehr dramatisch“, sowohl was die gezeigten Gesichter als auch die angedeuteten Bewegungen der Figuren angehe. Das Bildprogramm zeigt in zwölf kleineren Relief- und einer großen Haupttafel mit der Kreuzigungsszene die Leiden Jesu Christi.

Wann der Altar seinen eigentlich vorgesehenen Platz im Chor der Basilika wieder erhält, war zuletzt noch offen. Ursprünglich sollte zuvor eine öffentliche Führung angeboten werden, die nun auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Außerdem bedarf es noch weiterer Absprachen zwischen Gemeinde und Denkmalpflege. Auch zur Entstehungsgeschichte sollen zusätzliche Recherchen angestellt werden. Die Kosten in Höhe von rund 20.000 Euro wurden durch eine Spendenaktion der Gemeinde sowie Zuschüsse gedeckt.

Johannes Broermann