Spannender Vortrag zu jüdischen Seisegeboten
Noch bis Ende des Monats ist die Ausstellung „Jüdisches Leben in Duderstadt“ im Haus. St. Georg, Kardinal-Kopp-Straße 31, in Duderstadt zu sehen. Am Donnerstag hat Jaqueline Jürgenliemk einen Abend zum Thema „Wie feiern Juden Shabbat und welche rituellen Speisengebote gibt es im Judentum?“ gestaltet.
20 Interessierte waren der Einladung von Dekanatsreferentin Sigrid Nolte gefolgt, und verfolgten gespannt den Vortrag von Jürgenliemk. Diese berichtete, dass die jüdische Gemeinde in Göttingen eine liberale Gemeinde ist. „Unsere Gemeinde hat rund 120 Mitglieder, wobei man dazu sagen muss, dass unsere Gemeinde schrumpft und uns junge Leute fehlen“, berichtete die Vorsitzende. Die Göttinger Gemeinde habe keinen eigenen Rabbiner, aber es reise regelmäßig eine Rabbinerin aus Berlin an. „Wir haben in unserer Gemeinde drei Gebetssprachen hebräisch, deutsch und russisch“, sagte Jürgenliemk. Russisch sei in der Gemeinde Gebetssprache, weil in den 1990er Jahren sogenannte Kontingentflüchtlinge Mitglieder in der Gemeinde geworden sind. Damals war gerade erst die Neugründung der jüdischen Gemeinde im Jahr 1993 mit 20 Mitgliedern erfolgt.
Im Anschluss an die Einführung ins Thema nutzte Jürgenliemk die zur Ausstellung gehörenden jüdischen Kultgegenstände, um den Besucherinnen und Besuchern weitere Details zum jüdischen Glauben zu vermitteln. So erfuhren die Teilnehmer, dass die Kippa (eine Kopfbedeckung für den Besuch der Synagoge, die aber auch außerhalb getragen werden kann) bei liberalen Juden sowohl von Männern als auch Frauen getragen wird. „Die Kippa gibt es mittlerweile in verschiedenen Designs, so kann sie beispielsweise auch schon einmal das Logo des bevorzugten Fußballvereins tragen“, so Jaqueline Jürgenliemk. Außerdem erfuhren die Besucherinnen und Besucher, dass die Tora von handgeschrieben wird. Zudem werden die einzelnen Seiten der Tora aneinander genäht. „Die Tora wird auf zwei Holzstäbe aufgewickelt, die wir als Baum des Lebens bezeichnen“, erklärt die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Göttingen. Auch das richtige Anlegen der Gebetsriemen sowie die Bedeutung der verschiedenen armigen Leuchter brachte Jürgenliemk den Teilnehmern näher.
Ein weiteres Thema des Abends waren die Speisegebote des Judentums. Diese seien die strengsten Regeln aller Religionen. So darf nur Fleisch von Kühen, Schafen oder Ziegen gegessen werden, wenn diese geschächtet wurden. „Das Blut enthält die Seele“, laute dabei die Regel. Fisch dürfe dann gegessen werden, wenn er Flossen und Schuppen besitze. Eine weitere Regel besagt, dass zwischen dem Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten mehrere Stunden Abstand liegen müssen. „Zudem benutzen wir für die Speisen auch verschiedene Geschirre“, erklärte Jaqueline Jürgenliemk. Brot sei, wenn es keine Milchprodukte enthalte, ein sogenanntes neutrales Lebensmittel. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzen im Anschluss an den Vortrag die Gelegenheit zu einzelnen Geboten genauer nachzufragen. Sie alle freuten sich, dass sie an diesem Abend einen Einblick in jüdische Riten bekommen haben, und noch einiges Neues lernen konnten.
Vera Wölk, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit



